Buenos Aires - willkommen in Suedamerika!

Einen Monat lang haben wir jetzt Spanisch gepaukt, 4-6 Stunden Gruppen- und Privatunterricht pro Tag. Waehrend Antje bereits ueber argentinische Literatur und Zeitungsartikel diskutiert, kann Paddy mittlerweile selbstaendig seine Lieblings-Empanadas zum Zmittag bestellen: Roquefor, Apio y Nueces. So fuehlen wir uns geruestet fuer die bevorstehende Velotour durch die argentinische Pampa…

PaseoperroAuf unserem Schulweg hat uns einiges ins Staunen gebracht: Im Stoffviertel gleich um die Ecke bieten ueber 20 Stofflaeden nebeneinander ihre Ware an. Auf dem Trottoir sieht man die Cartoneros, welche die Haushaltsabfaelle durchwuehlen und alles recyclebare Material heraussuchen, um es zu verkaufen und von diesen geringen Einkuenften zu leben. An jeder Strassenecke wartet ein Kiosk und ein Telefon- und Internetbuero auf Kunden. Wenn wir besonders Glueck haben, sehen wir einen Paseoperro, der 10-15 Hunde an der Leine spazieren fuehrt. Diesen Service nehmen die reichen Leute in Anspruch, damit sich ihr geliebtes Haustier nicht langweilt, waehrend sie arbeiten. Es ist erstaunlich, wie gut erzogen diese Hunde alle ihrem einen Herrchen folgen, keiner schert aus. Alle wedeln sie mit ihren Schwaenzen. Gemeinsam Gassi zu gehen, scheint Spass zu machen…

Modern und europaeischInsgesamt wirkt Buenos Aires sehr europaeisch, aber der Schein truegt. Niemals sollte man vergessen, dass man sich hier in Suedamerika befindet: Da wir ein Paeckli mit einigen nicht mehr benoetigten Dingen nach Hause schicken moechten, sind wir in die naechste Poststelle gegangen. Wieviel ein Paeckli in die Schweiz denn koste? Die nette Dame konnte uns den Preis bis 500g mitteilen, schwerere Pakete muessten wir aber im groesseren Postbuero 4 Strassenbloecke weiter aufgeben, den Preis koennten sie uns dort sagen. Dort angekommen, schnappen wir uns sofort ein Nuemmerchen. Wenn die Postbeamten doch nur arbeiten wuerden! Jedem Kunden, der das Gebauede betritt, rufen sie “Se cajó el sistema” zu - das System ist abgestuerzt -, worauf die meisten sofort umkehren. Als uns ein junger absolut demotivierter Bursche endlich bedient, teilt er uns nach mehrmaligem Nachfragen die Preise fuer 1 und 2kg-Pakete mit. Schwerere Pakete muessten wir auf der Hauptpost aufgeben… Mittlerweile haben wir - in der ersten Poststelle - eine Kartonschachtel gekauft und werden das Paeckli sicher irgendwo losschicken koennen. Ob es dann ankommt, ist eine andere Frage…
Zugang zum Armenviertel

Punta del EsteGleich am ersten Wochenende besuchten wir Antjes weit entfernte Verwandte in Montevideo, Uruguay. Mit dem Katamaran sind wir von Buenos Aires aus ueber den Rio de la Plata gefahren. Graciela, die Cou-Cousine von Antjes Mutter, und ihr Mann Jose haben uns sehr herzlich empfangen. Sie zeigten uns den bekannten noblen Badeort Punta del Este, der uns an Saint Tropez erinnert hat. Beim Abendessen lernten wir Gracielas Mutter Victoria kennen, die trotz ihrer 92 Jahre noch sehr fit ist und deutsch spricht, da ihr Vater circa 1906 aus der Schweiz ausgewandert ist. Antje hat von ihr so einiges ueber ihren Grossvater erfahren, den sie leider selbst nie kennengelernt hat. Jose zeigte Antje das oeffentliche Spital in Montevideo, wo er als Professor fuer Neonatologie arbeitet. Die Woechnerinnenabteilung mit einem Saal fuer 12 Woechnerinnen und ihre 12 Babies ist doch recht anders als in Uster… - Am Sonntag waren wir zu einem Asado mit der ganzen Familie auf Nitos Bauernhof (Milchproduktion) eingeladen. Es wurde ein Lamm auf dem traditionellen Holzgrill zubereitet, das uns sehr gut schmeckte. So lernten wir auch alle Cou-Cou-Cousinen von Antje kennen.
Familienfoto beim Asado

ParrilladaEin besonderes Erlebnis war die Feria de Mataderos, ein traditioneller Markt mit Kunsthandwerk und Delikatessen im ehemaligen Schlachthofviertel von Buenos Aires. Die Einheimischen tanzen Volks- und Gauchotaenze und das mehrheitlich einheimische Publikum macht begeistert mit. Staerken kann man sich an einem der zahlreichen Parrillada-Staenden, wo man Choripan - pikante Wurst im Broetchen - oder auch Fleisch und Innereien essen kann. Der Hoehepunkt sind die Gaucho-Pferdewettkaempfe: die Gauchos versuchen, im Galopp mit einem Stift einen kleinen Ring aufzuspiessen. Ein Spektakel mitten auf der Strasse!
Roessli-Kutsche
Trifft er den Ring im Galopp?

Bus-Boot im Paraná-DeltaEin Ausflug nach Tigre, das am Delta des Paraná-Flusses liegt, durfte natuerlich auch nicht fehlen. Das Flussdelta ist dort sehr verzweigt und alle Ufer sind mit Haeusern auf Stelzen, die vor Ueberschwemmungen schuetzen, bebaut. Jedes Haus hat einen eigenen Bootssteg. Ein Boot faehrt - wie ein Bus - durch die Kanaele und haelt am gewuenschten Anlegesteg an. Auch wir sind so durchs Delta gefahren und sind auf dem Weg dem Supermarkt-Boot begegnet.
Supermarkt

Langsam haben wir genug von dieser grossen und lauten Stadt, uns zieht es aufs Land. Deshalb pedalen wir am 13.09. los immer richtung Westen, nach Mendoza.

2 Antworten zu “Buenos Aires - willkommen in Suedamerika!”

  1. Friedhelm von Weyhe sagt:

    Liebe Weltreisende . Ihr habt einen tollen Stiel Eure Reise zu beschreiben.Man erlebt es förmlich mit . Wir haben Freunde in Schweden, und wenn wir sie besucht haben erfuhren wir viel über Land und Leute , So ist es Euch sicher auch bei Euren Verwandten gegangen.
    Wir wünschen Euch immer Gummi mit Luft auf Eurer Reise.
    Margret und Friedhelm aus Affinghausen.

  2. Rös sagt:

    Mein liebes Tandem-Team Antje und Paddy
    Heute morgen gerademal 6 Grad C. in Pratteln. Seit ihr am Samstag in euer grosses Tandem-Abenteuer und in den Südamerikanischen Frühling ab B.A. in Richtung Mendoza gestartet sind, ist bei uns verfrüht der Herbst eingetroffen. Die Berge sind bereits bis 1500 Meter hinunter mit Schnee überzuckert.
    Dann gehts bei euch also nach Rosario und über die Sierra de Cordoba gegen 3000 Meter Höhe? Das gibt kräftige Beinmuskeln. Genau das fehlt mir und meinem rechten havarierten Bein d.h. meinem “Filetstück (med.)”, obwohl ich meine täglichen Uebungen mache gibt es nur sehr sehr kleine Fortschritte. Radfahren ist noch ein Wunschtraum. Ich schaffs mit den Stöcken ins Dorf und wieder zurück. Mein Ziel ist, sobald der Feldberg mit Pulverschnee bedeckt ist, Schneeschuh wandern zu gehen.
    Tolle vergnügliche Tage und Wochen in der Pampa und viel Kraft für eure “Wädlis” wünscht
    Rös

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