Atlantiküberquerung auf der Monte Sarmiento
Am Dienstag, 29.7.08 waren wir morgens schon ganz gespannt und wollten gerade zum Hafen in Hamburg aufbrechen, als uns ein Telefonanruf unseres Reisebüros erreichte: “Wieso seid ihr gestern nicht eingestiegen? Das Schiff ist bereits auf dem Weg nach Antwerpen…” Ein schlechter Witz?![]()
Leider nein! So sind wir also anstatt zum Hafen mit Sack und Pack (sprich Tandem) zum Bahnhof und einen Tag lang quer durch Europa gefahren: abends um 22:00 Uhr waren wir nach 2x umsteigen in Antwerpen und fielen erschöpft ins Hotelbett. Am nächsten Tag radelten wir dann zum Hafen, ganze 26 Kilometer weit, denn der Containerhafen ist natürlich nicht in der City… und im Containerhafen sind Passagiere doch eher Exoten. Nach 5 Kilometern Irrfahrten (”Nein, hier seid ihr falsch, hier ist nur der Eingang für Lastwagen, dort müsst ihr hin!”) standen wir endlich nur noch circa 100 Meter von unserem Schiff, dem Containerschiff Monte Sarmiento entfernt. Mit einem Bus ging´s direkt an den Kai, mit dem Gepäck stiegen wir über einen steilen Steg ein. Das Tandem wurde per Kran an Deck befördert. Endlich an Bord…
Wir waren in der Eignerkabine gleich unter der Brücke untergebracht. Die Kabine bestand aus einem Schlafzimmer mit zwei grossen Betten, einem Bad, einem Wohnzimmer mit Sofaecke, einem Schreibtisch, Kühlschrank, Fernseher mit Video (da auf hoher See kein Empfang). Nach vorne hatten wir drei Lukenfenster, durch die man in Fahrtrichtung aufs Meer und die 5000 Container sehen konnte.
Und was es alles zu sehen gab: im Hafen wurden die Container vor unserer Nase mit riesigen Kränen eingeladen, grosse “Giraffen”-Gabelstapler brachten sie zum Kran. Wir waren beide beeindruckt ob dem Geschehen, das die ganze Nacht dauerte, und Paddy hielt alles fotografisch fest.
Am nächsten Morgen tuckerten wir los richtung Le Havre, wo wir bereits am selben Abend ankamen und über Nacht wieder Container ent- und beladen wurden, was wir grösstenteils verschliefen…
Weiter ging´s durch den Ärmelkanal aufs offene Meer hinaus. Es begann stärker zu schaukeln, woran Antje nicht so Freude hatte: sie musste entweder an Deck spazieren oder aber in der Kabine liegen, so war´s erträglich. Paddy war´s “vögeliwohl”. Aber wir erschienen trotz allem immer dreimal täglich zum Essen und fütterten nie die Möven beziehungsweise die Tölpel und Fregattvögel!
Das Essen gab unserem Tag eine gewisse Struktur: 7:30-8:30 Frühstück, 11:30-12:30 Mittagessen, 17:30-18:30 Abendessen. Wir assen mit dem Kapitän und den Offizieren in der Offiziersmesse und wurden vom Steward bedient. Der Koch kochte gutbürgerliche deutsche Küche, obwohl er Philippino war (wie die ganze Crew, die Offiziere waren deutsch oder polnisch, Kommunikation in englisch). Nun - extra für Domi! - einen Auszug aus dem Menüplan:
Frühstück: immer etwas Warmes z.B. Spiegelei mit Speck, Bockwurst, gebratene Hühnerleber oder Frikadelle; daneben Brötchen, Müesli, 6 verschiedene Konfitüren, Nutella, diverses offenes Fleisch und Käse, Rollmöpse und Heringssalat aus Dosen; Fruchtsaft, Kaffee, für Antje extra Tee.
Mittagessen: Suppe, Salat mit 5 verschiedenen Saucen; Hauptgang immer Fleisch oder Fisch mit Kartoffeln oder Reis; zum Dessert Früchte wie Litschi, Melone; zweimal pro Woche Eiscreme mit Schokoladensauce und Schlagrahm und Kirsch zum selber drübertun.
Abendessen: wieder ein warmes Essen, wieder mit Fleisch; dazu Grau- und Schwarzbrot mit gleichem Belag wie beim Frühstück (ausser natürlich keine Konfitüre); geschnittenes frisches Gemüse; Wasser und Schwarztee.
Wir konnten uns also nicht beklagen… Und haben sicher nicht abgenommen!
Leider hatten wir keine grosse Lust auf den Fitnessraum, dafür spielten wir Pingpong und “Töggelichaschte”, machten täglich einen Spaziergang an Deck, wo wir fliegende Fische beobachteten, gingen im mit 28° C warmem Meerwasser gefüllten Innenpool baden (mit echten Wellen vom Schaukeln des Schiffes), probierten die Sauna aus, lernten Spanisch-Wörter (vor allem Paddy, denn Antje konnte sie schon), lasen Bücher und Reiseführer und Antje löste hunderte Zahlenrätsel und Sudokus.
Ausserdem besuchten wir die Brücke und liessen uns den imposanten Maschinenraum mit dem riesigen Schiffsmotor (3 Stockwerke hoch, 70´000 PS, Sprit-Verbrauch 1 Tonne pro Stunde, Auspuffdurchmesser 2 Meter) und den vier Hilfsgeneratoren (je 3500 kW) für Kühlcontainer und Klimaanlage zeigen.
Abends schauten wir die wunderschönen Sonnenuntergänge, bewunderten das Wolkenpanorama - überall nur Meer, Wolken und Himmel, und das während 11 Tagen über den Atlantik! - tranken Bier in der Schiffsbar mit den Offizieren, schauten Videos, beobachteten die Sterne und alle paar Tage mal ein anderes Schiff… So verging die Zeit wie im Flug (naja nicht wörtlich…)!
Unsere Route führte uns von Le Havre via Madeira, die kapverdischen Inseln (wegen Sahara-Sand in der Luft leider schlechte Sicht), über den Äquator (sieht man leider gar nicht), via die brasilianische Insel Fernando de Noronha (wunderschön!), entlang der brasilianischen Küste mit Sicht auf das imposante Rio de Janeiro mit dem berühmten Zuckerhut und der Copacabana nach Santos.
Höhepunkte auf der Seereise waren sicher die Wale vor der brasilianischen Küste, die wir einen Nachmittag lang beobachteten, und dann die Manöver:
Um den Ablauf im Falle, dass ein Mann über Bord geht, zu üben, wurde ein Dummy über Bord geworfen. Dann fuhr das riesige 270 x 40 Meter grosse Schiff eine Schlaufe - mit 1 Kilometer Durchmesser - , während der zwei Männer den Dummy via Fernglas nicht aus den Augen verlieren durften, um ihn dann wieder an Bord zu holen. Ein andermal fand ein Probealarm mit Feuerwehrübung statt und wir mussten anschliessend alle ins Rettungsboot klettern - alle 26 Mann und eine Frau -, uns anschnallen, den Motor starten und durften dann zum Glück wieder aussteigen!
In Santos, Brasilien, dem grössten Hafen Südamerikas, in der Nähe von Sao Paulo, war unser einziger Stop mit der Möglichkeit eines Landgangs, was wir uns natürlich nicht entgehen liessen: Wir kämpften uns quer durch und aus dem Hafen raus in die Stadt, schnappten die ersten südamerikanischen Eindrücke auf, probierten die brasilianische Küche, besichtigten die alte Kaffeebörse und genossen den breiten kilometerlangen Strand. Der Tag war viel zu kurz…
2 1/2 Tage später legte unser Schiff in Buenos Aires an, für uns schon der Zielhafen! Im suedamerikanischen Winter angekommen, werden wir hier nun zuerst unser Spanisch aufbessern, bevor es dann - bei hoffentlich etwas wärmeren Temperaturen - per Tandem weitergeht…
22. August 2008 um 11:31
Hallo ihr zwei,
über Umwege habe ich von Eurer langen Reise erfahren, und wünsche Euch dabei alles Gute.
Ein sehr guter Freund von mir bereitet sich gerade auf eine Überquerung vom Atlantischen zum Pazifischen Ozean vor, die in 9 Tagen starten soll (http://desafiotranscontinental.blogspot.com/). Vielleicht trefft Ihr Euch ja unterwegs?
Herzliche Grüße
Monica
22. August 2008 um 21:59
Hoi zämme
Heute habe ich mal unbeschränkten Internetzugang in einem Restaurant mit sehr schönem Garten, das vor allem von Ausländern und der ägyptischen Oberschicht aufgesucht wird.
Nun habe ich mir die Zeit genommen eure herrlichen Reiseberichte zu lesen. Ich find es toll, was ihr macht und wünsche euch weiterhin alles Gute! Ab und zu bin ich fast ein bisschen neidisch geworden bei den vielen tollen Fotos. Geniesst es!
23. August 2008 um 13:36
Hallo zaeme!
Wenn au nit grad in dr Noechi vo Bolivie. Wuensch euch en super Ziit in Buenos Aires! Mit vielne guete Begegnige, spannende Entdeckigstoure und ganz viel Salsa! Y naturalmente que avanzan muy rapido con el español!
Haerzlich willkomme in Suedamerika! Schoen dass ihr jetzt au do sind!
Muchos saludos y un abrazo Nicole
24. August 2008 um 15:02
…he antje - hab natürlich mit spannung deine geschichte zur überfahrt erwartet… wieviele sudokus hast du gelöst *grins*
ich hoffe, ihr seid’s am geniessen - im spital same same but a little different (durch das, dass du und jürg nicht mehr da seid) - kinder kommen auf jeden fall immer noch auf die welt!
liebe grüsse aus’m altweibersommer, nadja.
24. August 2008 um 22:39
Hoi Pädi
Die Überfahrt hört sich wirklich spannend an - nicht so wie ich mir das vorgestellt hatte. Und die veröffentlichten Bilder sind auch ein Augenschmaus.
Liebe Grüsse und eine gute Weiterreise
Philipp
25. August 2008 um 9:16
Hallo, Ihr Beiden,
vielen Dank für den guten Bericht. Bei meiner Überfahrt seinerzeit war bei den Azoren schlechtes Wetter und wir reden immer viel vom Azorenhoch. - Heidi ging in Bogota auch zur Uni, um Spanish zu lernen. Wir wissen nicht, wie Eurer weitere Routenverlauf ist, aber einen Abstecher zu den Wasserfällen von Iguazu sollte man nicht verpassen. Als ich seinerzeit für 2 Monate in Asuncion arbeiten mußte, reiste ich auch dorthin. Die Wasserfälle und auch der Staudamm zu E-Gewinnung sind beide von so gewaltigem Ausmaß, so daß man sie auch vom Weltall erkennen kann, wie die Chinesische Mauer. Bei diesem Wasserfall im Länderdreieck Argentinien, Paraguay und Brasilien wurden auch einige Scenen zu einem James Bond Film gedreht. Ansonsten wird dort viel geschmuggelt. Ich durfte z.B. mit meinem VW-Mitwagen, made in Brazil, nicht dorthin fahren.
Weiterhin alles Gute und viele herzliche Grüße aus dem ebenfalls kalten (10 bis 15 Grad) Lilienthal,
Heidi und Niels
25. August 2008 um 19:20
Hallo zusammen
ich bin schwer beeindruckt und finde toll was ihr macht. Ich wünsche euch weiterhin viel Spass auf eurer Abenteuerreise.
Alles Gute und viele liebe Grüsse aus Uster bei aktuell 21°C.
Sophia
25. August 2008 um 22:20
hoi zämä!
das tönt ja mega spannend und die fotene sind ja traumhaft!!! Ich wünsche oi viel glück und viel spannendi erlebnis. ich wirde oi velotour verfolge und mich ufem laufende halte!!!
lg wichtel
26. August 2008 um 10:31
Buenos días nach Buenos Aires!
Weiterhin viel Spaß!
Ist bestimmt schön, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben… hehe! Habe den Bericht mit großem Interesse gelesen und werde dranbleiben! Da ich ja nun zur Zeit nicht solche Art Reisen machen kann (*Neid*), erlebe ich sie durch Euch ein wenig mit! Viel Spaß beim Spanischlernen, hoffentlich ist es nicht das argentinische Castellano! Denn das hilft Euch in den anderen spanischsprachigen Ländern eher wenig!
Wiebke
27. August 2008 um 13:47
Vitamin C 1 gr. pro Tag hilft sehr gut gegen seekrankheit. hat mir auf der nordsee sehr geholfen!
29. August 2008 um 8:21
Liebe Antje und lieber Paddy. Herzliche Grüße aus Affinghausen .Eure Reise finde ich toll . Ich hätte so etwas auch gewagt . Meine Margret hätte ich nicht mitbekommen. Meine Mutter hat Argentinien und Brasilien auch bereist, und ist bis zum Kap ronter . Mein Vater ist in Guatemala geboren . Mein Großvater bewirtschaftete dort eine Kaffeepinta im Auftrage einer Bremer Kaffeefirma.Meine Großmutter hat das Klima nicht vertragen . Es sind noch viele Bilder und Briefe von dort da. Da mein Großvater sehr lange dort lebte, konnte er sich hier in Deutschland garnicht wieder zurechtfinden. Paßt gut auf Euch auf , Viele schöne Erlebnisse wünschen Euch die Tante Margret und der Onkel Friedhelm aus Affinghausen.
29. August 2008 um 11:26
Hoi mitenand
Das isch jo wahnsinnig spannend, was Ihr z schriiibe händ. Ihr händ jo ahfangs Reis scho uuu viel cools erläbt. Da wärded Euri Enkel gern zuelose, wänn Ihr vo Eure Weltumseglergschichte verzelled.
Rätsel für Dich Antje:
IUG, pos HT,27.8.08 SSL 48.4mm,BPD 17.4mm,NT 1.0mm
Ich wünsch Eu wiiiterhin viel Spass und bin gspannt uf neui Reisebricht.
Grüessli Judith