Quer durch Deutschland
Am Montag morgen, 14.7.08, war nun endlich der grosse Tag: wir radelten in Pratteln los - das Wetter war uns nach einem nassen Wochenende gut gesinnt - gleich über die Grenze nach Deutschland.
Dort führte uns der Veloweg zuerst 4 Tage dem Rhein entlang: Wir machten kurz einen Ausflug über den Fluss nach Frankreich, was uns aber gar nicht gefiel, da wir ausgerechnet im Industriegebiet um Strasbourg gelandet waren. Also schnell wieder zurück nach Deutschland und weiter dem Rhein entlang… Bereits am 3. Tag die erste Panne: nach nur 333 gefahrenen Kilometern zeigte sich ein komplizierter doppelter Felgenbruch am Hinterrad (die Diagnose konnte klinisch ohne Röntgenbild gestellt werden…). Zum Glück hatten wir für diesen Fall eine Reserve-Felge mit dabei, diese hatten wir allerdings nicht ganz so schnell brauchen wollen. So speichte Paddy auf freiem Feld das Rad um und wir konnten vorerst problemlos weiterfahren. Mit der Rheinfähre setzten wir nach Mannheim über, wo wir direkt am Rhein auf einem Campingplatz zelteten, mit Blick auf die grossen Rheinschiffe.
Mit dem Zug umfuhren wir die grossen Städte (insbesondere Frankfurt am Main). Von Altenstadt aus pedalten wir dann über den wunderschönen Vogelsberger Vulkan-Radweg, der auf einem ehemaligen Bahntrassee angelegt wurde und durch hügelige Landschaft mit Wiesen voller Rittersporn führt. Wir übernachteten im winzigen provinziellen Bauerndorf Crainsfeld. Der Fulda entlang radelten wir nach Bad Hersfeld, wo wir ein zweites Mal den Zug nahmen, um Kassel zu umfahren und damit es uns rechtzeitig nach Hamburg reichen würde.
Von Hannoversch Münden, einem malerischen Fachwerkstädtchen am Geburtsort der Weser, gings nun der idyllischen Weser entlang richtung Norden. Wir fuhren dabei durch das sogenannte Weserbergland, wobei wir diese Erhebungen eher Hügel nennen würden…
Im Rattenfängerstädtchen Hameln besichtigten wir die schöne Altstadt und probierten deutsche Spezialitäten wie Butterkuchen oder Frikadellen. Durch strömenden Regen - wir wurden bereits seit 4 Tagen von Regenschauern oder Nieselregen begleitet - fuhren wir tapfer nordwärts bis ans Steinhuder Meer. Dort waren wir nun richtig im Flachland angekommen.
In Steinhude klopften wir an die Türe des Hauses Hoppe und wurden sofort herzlich empfangen. Frau Schmeling erklärte Antje alle Regeln und Tipps für ihr Gästehaus und Herr Schmeling half Paddy das Tandem in der Garage zu verstauen und die nassen und wirklich sehr dreckigen Taschen abzuwischen. Sein Kommentar: “Sind die gelben Fahrradtaschen von der Schweizer Post?”. Die Gasteltern hatten wirklich für jedes Anliegen einen Tipp bereit. Und das Frühstück war einfach “klasse”, wie Paddy sagen würde. So fiel es uns doch fast ein bisschen schwer, nach zwei Nächten das Haus Hoppe zu verlassen… Das Steinhuder Meer hatten wir an unserem Pausentag mit unserem Tandem umrundet und das Moor und die blühende Heide bestaunt. In einem Fischerhus probierten wir den Meer-Fisch (sogar Paddy liess sich überreden…) und assen nachmittags wie richtige Norddeutsche Kaffee und Kuchen.
Nur gerade 30 Kilometer nach Steinhude erwischte es das Tandem schon wieder heftig: der 2. Felgenbruch am Hinterrad nach nur gerade 500 Kilometern! Da wir jetzt keine Ersatzfelge mehr dabei hatten, fuhren wir auf der kaputten Felge 10 Kilometer bis zum nächsten Bahnhof nach Schwarmstedt - ein ziemlich kleines Kaff. Mit dem Zug beförderten wir unser angeschlagenes Fahrrad nach Soltau, wo eine grosse Felgen-Organisations-Aktion gestartet wurde. Schliesslich liessen wir uns von Velotraum, unserem Rahmenhersteller bei Stuttgart, 3 neue hoffentlich stabilere Felgen zu einem Fahrradgeschäft nach Hamburg schicken. Bereits am nächsten Tag konnten wir die für uns unermesslich wertvolle Ware in Hamburg abholen und das Hinterrad neu einspeichen - da der Velohändler keine Zeit hatte, wurde Paddy einmal mehr geprüft… Und auch Antje lernt tagtäglich mehr über das Velo und seine Pflege…
Nun sind wir also in Hamburg angekommen - nicht ganz wie erwartet per pedales, sondern zumindest die Endstrecke per Zug. Trotzdem sind wir nun schon 890 Kilometer geradelt. Wir sind im deutschen Seemannsheim untergekommen, wo wir schon mal die ersten Kontakte zur Welt der Seefahrer knüpfen. Und am Dienstag, 29.7.08, soll nun also unser Container-Frachtschiff im Hafen Hamburg ablegen. Wir haben die Tabletten gegen Seekrankheit eingepackt und schon mächtig viel Proviant eingekauft (man kann ja nie wissen, wie das Essen so ist…). Wir sind gespannt…
28. Juli 2008 um 8:10
Hallo Ihr Abenteurer!
Ich finde es toll, daß Ihr Euch auf so abenteuerliche Weise auf die große Reise macht! Unsere Väter sind ja damals auch mit dem Schiff rübergefahren. Allerdings ging es bei ihnen nicht mit einem Tandem weiter, ich glaube sie hatten einen VW-Käfer?! Ich wünsche Euch eine tolle Reise, paßt gut auf Euch auf, trefft viele interessante Menschen und vertragt Euch gut, den schließlich müßt Ihr ja immer in die selbe Richtung radeln!
Liebe Grüße
Wiebke & die Jungs
28. Juli 2008 um 8:54
Hallo, Ihr Weltenbummler,
wir wünschen Euch auch eine schöne Überfahrt. - Die Verpflegung auf den Frachtschiffen war zu unserer Zeit (ich fuhr 1964 mit der BIBERSTEIN des Norddeutschen Lloyd von Bremen nach San José de Guatemala) immer ausgezeichnet und sehr reichlich. Es gab zum Frühstück schon Seezunge, etc.
Einmal schaukelte es mehr, aber dann wurden die Tischdecken benäßt, damit das Geschirr nicht herunterfällt. Außerdem wurde die Bettkante mit einem Brett erhöht, damit man nicht hinausfiel. Diese Reise dauerte fast 4 Wochen, da wir viele dazwischenliegende Häfen anliefen. Auf dem Deck wurde mit Abdeckplanen ein Swimming Pool mit Meereswasser eingerichtet. Man lebte, wie man damals sagte, “wie Gott in Frankreich”.
Alles Gute und bleibt vor allen Dingen gesund.
Beste Grüße,
Heidi und Niels
28. Juli 2008 um 10:41
Hoi mitenand!
Bevor er oi uf die grossi Reis mached, wünsch ich oi no alles Gueti und hoffe ihr und oies Tandem überstönd die Überfahrt ohni Problem (han das ja schliesslich au unterschribe..!). Bin scho gspannt, was ich als nächsts läsä chan im nachtdienst oder suscht… Bis jetzt ischs spannend gsi.. S’nächst mal brichtet er hoffentlich nüme über so vill räge und brocheni felge!
Liebi Grüessli
Karin
12. August 2008 um 9:35
Ahoi ihr beiden!
Wow, ich dachte ihr macht gemütlich eins auf Flieger und rüber nach LATAM aber weit gefehlt! Ist voll gediegen was ihr macht und ich sitze neidisch vor dem Bildschirm im immer gleichen Büro und grauem Innen und Aussen….
Alles Gute und freu mich news zu lesen!
michel